Women in Tech - Noelia Diaz Bernal, Head of Big Data Hub, im Interview

„Frauen kommt in die Tech-Welt! Es ist eine faszinierende Branche.“

Die Karriere von Noelia Díaz Bernal zeigt eindrucksvoll: Frauen können es in der Tech-Branche ganz weit nach oben schaffen. Als Head of Big Data Hub bei DEKRA DIGITAL in Málaga leitet sie seit zwei Jahren erfolgreich ein 34-köpfiges Team. Dem Unternehmen DEKRA Noelia schon seit mehr als zwei Dekaden die Treue, sogar ihre Karriere hat sie dort nach dem Studium als Praktikantin gestartet. 

Noelia ist Vorbild bei „Women in Tech“.

Noelia ist ein echtes Vorbild für erfolgreiche „Women in Tech“.

Im Interview spricht Sie über ihren Beruf, ihre Rolle als Führungskraft, Frauen in der Tech-Welt sowie die heutigen Herausforderungen von Recruiting und Mitarbeiterbindung. 

Erzähl uns ein paar Worte über dich selbst und deine Rolle bei DEKRA DIGITAL?

Ich bin seit etwas mehr als zwei Jahren strategisch und operativ für die Führung des Big Data Hubs von DEKRA DIGITAL verantwortlich. Die Firma DEKRA begleitet mich allerdings schon mein ganzes Berufsleben, seit ich hier vor 23 Jahren nach dem Software-Engineering-Studium als Praktikantin angefangen habe. Bis zu meinem aktuellen Job als Head of Big Data Hub hatte ich im Unternehmen verschiedenste Positionen in der Softwareentwicklung, Projektleitung oder als Analyst inne. All diese Erfahrungen und das erworbene Wissen helfen mir dabei, meinen Job zusammen mit meinem Team so gut wie möglich auszuüben.  

Aktuell umfasst das Team 34 Personen – Ende 2022 werden es voraussichtlich 40 sein – unterteilt in die drei Bereiche Vertrieb, Operations und Entwicklung. Wir wollen uns als datengetriebenes Tech-Center positionieren, das für Unternehmen weltweit tätig ist. Um das zu erreichen sowie unseren hohen Ansprüchen an uns selbst und unseren Kunden gerecht zu werden, haben wir hier in Málaga ein Team aus Top-Experten in den Bereichen Big Data, Data Science und Machine Learning aufgebaut, mit dem es uns gelingt, innovative State-of- the-Art-Softwarelösungen für unsere Kunden zu schaffen. 

Wir sind sehr stolz auf das, was wir bisher erreicht haben: Im letzten Jahr konnten wir unseren EBIT um rund 70% steigern. Zukünftig wollen wir noch mehr wachsen und neue Geschäftsfelder für uns erschließen. 

Was zeichnet DEKRA DIGITAL für Sie aus? In welche Richtung wird sich das Unternehmen in Zukunft entwickeln? 

DEKRA war schon immer ein Unternehmen, das seinen Kunden eine vielfältige Palette an analogen & digitalen Produkten und Dienstleistungen angeboten hat. Durch die Gründung von DEKRA DIGITAL ist es gelungen, digitale Services noch schneller ans Portfolio der DEKRA anzudocken und gleichzeitig eine Umgebung zu schaffen in der Tech-Talente von heute arbeiten wollen. Gleichzeitig denken wir groß: Als Tech Center wollen wir weltweit eine bekannte Adresse für Softwareentwicklung, Digitalisierung oder Automatisierung mit spezieller Expertise in der Anwendung und Skalierung von Big-Data -Lösungen in der TIC-Branche werden, die intern wie extern als kompetenter Technologiepartner wahrgenommen wird. 

Eine Frau am Kopf eines Technologie-Hubs ist immer noch eine Seltenheit. War die persönliche Faszination für die Tech-Welt schon immer tief verankert? 

Ich liebe die Dynamik der Branche. Das großartige an meiner Arbeit ist, dass kein Tag dem anderen gleicht. Es gibt immer neue, spannende Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Die Schnelllebigkeit der Technologie-Branche fordert mich tagtäglich heraus und genau das fasziniert mich. Ich bin ein vielseitiger Mensch, der gerne Neues lernt, der gerne forscht und keine Angst vor Veränderungen hat. Dem Wandel offen gegenüberstehen und ihn antreiben, das ist meine Stärke. 

Doch bei aller Begeisterung für Tech möchte ich auch über die Kehrseite sprechen. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich häufig die einzige Frau im Raum bin und es stört mich nicht, aber nach wie vor ist die Branche vor allem eine Männerdomäne. Alle haben mich damals für verrückt gehalten, als ich mit dem Software-Engineering-Studium angefangen habe. In meinem Studiengang waren von 100 Studenten nur 10 Frauen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und immer mehr Frauen in die IT gehen, ist es noch ein langer Weg bis hin zu voller Gleichstellung von Mann und Frau in MINT-Berufen.  

Heute wird gerne von Skill Set und Mindset gesprochen: Wie wichtig sind tatsächliche Fertigkeiten und persönliche Einstellung oder Motivation, wenn es darum geht, eine Laufbahn als Führungskraft einzuschlagen?  

Ich denke, beides bedingt sich gegenseitig. Auf der einen Seite braucht man das richtige Mindset: Man muss motiviert sein, Initiative zeigen, kreativ sein, keine Angst vor neuen Herausforderungen haben und Risiken eingehen. Man muss stark sein, um mit Stress umzugehen und Teams führen zu können. Andererseits hilft einem die Erfahrung in diesem Sektor, mit vielen Situationen besser umgehen zu gehen: Das versetzt einen in die Lage, verschiedene Perspektiven zu haben und zu wissen, wie man den einzelnen Herausforderungen begegnen kann, und ist damit auch bestens für eine Führungsposition gewappnet, in der man Risiken eingehen muss, ohne Angst davor zu haben.  

Mein persönlicher Anspruch ist es, meinen Mitarbeitern zu ihrem besten Selbst zu verhelfen, ich sie fachlich und mental in ihrem beruflichen Weiterkommen unterstütze, sie motiviere:

“You cannot grow alone; you need to lift your team first.”

Noelia Díaz Bernal

Der “War for Talents” ist für viele Arbeitgeber ein echtes Problem. Was können wir tun, um die besten Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten?  

Der Wettbewerb um Talente in der Tech-Branche ist groß. Die Menschen heutzutage, vor allem junge, legen großen Wert darauf, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren und mehr Freizeit zu haben – gerade auch für Frauen ist das sehr wichtig. Daher bieten wir bei DEKRA DIGITAL bewährte Leistungen an wie mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, individuelle Lösungen für Mutter- oder Vaterschaftszeiten oder Malaga-spezifische Halbtagsarbeit, wenn es zu heiß wird im Sommer. 

Ebenso wichtig ist den Leuten, in einem guten Umfeld tätig zu sein und sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen. Eine wichtige Bedeutung hat in dem Zusammenhang auch der Standort des Büros: Bei uns in Málaga war das Office vor ein paar Jahren noch außerhalb und man konnte nur mit dem Auto hinkommen. Das haben wir ganz bewusst geändert. Heute sind wir zentral gelegen und haben neue und moderne Büroräume. Das ermöglicht natürlich auch eine bessere Anbindung an die öffentliche Infrastruktur mit kurzen Wegen zu Kita, Bus und Bahn. 

DEKRA DIGITAL ist – jenseits von Work-Life-Balance – vor allem auch deshalb ein guter Arbeitgeber, weil wir den Menschen sehen, wir flexibel auf ihn eingehen und unsere Mitarbeiter täglich die Möglichkeit haben an spannenden und innovativen Technologie-Projekten zu arbeiten.   

Ist es heutzutage einfacher, auch weibliche Tech-Talente anzuziehen? Was können wir tun, um die Gleichstellung voranzutreiben? 

Leider entscheiden sich in Spanien immer noch viel zu wenige Frauen für den IT-Sektor. Vielleicht liegt es an unseren traditionellen Strukturen, dass sich Frauen weniger in technischen Berufen sehen. Was DEKRA DIGITAL angeht, sind wir in der glücklichen Lage, einige sehr wertvolle weibliche Talente in unserem Team zu haben. 

Bedauerlicherweise glaube ich, dass wir in Spanien noch jahrelang dafür kämpfen müssen, dass die Präsenz von Frauen in IT-Berufen größer wird und sie auch in verantwortungsvolle Positionen gelangen. Ebenso muss das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen in unserem Sektor verschwinden. Als weibliche Führungskraft sehe ich mich auch in einer Vorbildfunktion: So unterstütze ich Mitarbeiterinnen in Verhandlungen beispielsweise dabei, ihr Gehalt bzw. ihren Wert richtig einzuschätzen.  

Welche Ratschläge würden Sie Frauen geben, um in der Tech-Branche erfolgreich zu sein? 

Ich würde Ihnen raten: seid mutig – Frauen kommt in die Tech-Welt! Habt keine Angst, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Es ist menschlich, Fehler zu machen. Ohne Fehler gibt es keine “Learnings” und somit auch keine persönliche Weiterentwicklung und beruflichen Erfolg.  

Wir bei DEKRA DIGITAL haben das Credo “fail fast, learn fast.” Nicht jede Idee hat das Potenzial, weiterverfolgt zu werden. Manchmal passiert es auch, dass unrentable Projekte oder Ideen eingestampft werden. Was einem vielleicht in dem Moment wie ein beruflicher Misserfolg vorkommt, ist aber ein wichtiger Schritt in der persönlichen Weiterentwicklung und sollte nicht unterschätzt werden.   

Als Zweiten Ratschlag würde ich gerne folgendes mit auf den Weg geben: Sucht euch Vorbilder! Als Frau in der Tech-Branche fehlt es häufig an Vorbildern und Mentorinnen, mit denen man sich auf Augenhöhe austauschen kann. Frauen, die Karriere machen wollen, wenden sich mit ihren Fragen und „Sorgen“ bewusst nicht an männliche Vorgesetzte, damit sie nicht als „schwach“ eingestuft werden. Ein Mentorship kann hier Abhilfe schaffen. Frauen können von der Erfahrung anderer profitieren, das kann helfen beruflich und privat die richtigen Weichen einzuschlagen. 

Genau aus diesem Grund möchte ich meine Vorreiterrolle nutzen und andere Frauen an meinen langjährigen Erfahrungen teilhaben lassen. Um Vorbehalte von Frauen gegenüber IT-Jobs abzubauen, arbeiten wir derzeit an einem Mentorship-Programm, um weibliche Tech-Talente anzusprechen und ihnen Einblicke in die Welt von DEKRA DIGITAL zu geben. Ich stehe als Mentorin mit Rat und Tat für die weitere Karriereplanung zur Seite und mit etwas Glück ermöglichen wir so einigen Talenten den Direkteinstieg, so wie es mir damals gelungen ist. 

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